Barnga – Managing Cultural Clash

Barnga - Cultural Integration

Learnings

In jeder Organisation oder in jedem Team existiert eine bestimmte Kultur, Bräuche oder ungeschriebene Gesetze, die den Mitgliedern häufig gar nicht (mehr) bewusst sind (da sie täglich gelebt werden). Diese Übung macht bewusst und erlebbar, wie sich diese Kultur auf die Integration eines neuen Teammitglieds auswirken kann.

Anzahl Teilnehmer

  • mindestens drei Teams mit je 4-6 Spielern, skalierbar

Vorkenntnisse

  • keine

Material

  • Kartenspiele à 36 Spielkarten (Skatspiel) pro Tisch (also mindestens 3 Kartenspiele)
  • Ausdrucke mit den Regeln eine pro Tisch (alternativ eine pro Personen, siehe Anmerkung unten)
  • Stopp-Uhr / Timer (optional)

Vorbereitung

  • Ausdrucken der Anleitungen (Spielregeln) – eine pro Tisch (bzw. eine für jede Person am Tisch – siehe auch Hinweise unten)

Durchführung / Regeln

  • Das Kartenspiel basiert auf dem Spiel Mau-Mau (Uno)
  • Jeder Tisch erhält ein Anleitung (mit den Spielregeln) für das Kartenspiel. Diese Anleitungen unterscheiden sich pro Tisch leicht. Dies darf den Teilnehmern nicht bewusst werden.
  • Vorrunde (Einüben der Regeln)
    • Die Spieler haben nun etwa 10 Minuten Zeit die Spielregeln einzustudieren, so dass sie die Anleitung nicht mehr benötigen. Sie dürfen dabei bereits spielen.
    • Sobald (auf Nachfrage) die Spieler das Spiel beherrschen, werden die Anleitung eingesammelt und die eigentlich Übung kann beginnen.
    • Die nächsten Runden laufen ab, ohne das jemand spricht.
  • Runde 1
    • Die Teams spielen für etwa 10 Minuten. Die Teams schreiben den Gewinner pro Runde auf.
    • Nach 10 Minuten bittet man die Gewinner an einen anderen Tisch zu gehen, so dass an jedem Tisch wieder dieselbe Anzahl von Personen sitzen, wie vorher.
  • Runde 2
    • Die Teams spielen für etwa 10 Minuten. Die Teams schreiben den Gewinner pro Runde auf.
    • Nach 10 Minuten bittet man die Gewinner an einen anderen Tisch zu gehen, so dass an jedem Tisch wieder dieselbe Anzahl von Personen sitzen, wie vorher.
  • Runde 3
    • Die Teams spielen für etwa 10 Minuten.
  • Es gewinnt der Spieler, der die meisten Stiche gewonnen hat, oder der Spieler, der die meisten Runden gewonnen hat.

Reflektion

  • zu Runde 1 (die Spieler sind zum ersten Mal verwirrt, dass nicht alle dieselben Regeln beherrschen)
    • Wer waren die Gewinner der erste Runde?
      • Wann habt ihr gemerkt, dass am Tisch mit anderen Regeln gespielt wurde?
      • Was hat das in euch ausgelöst?
      • Wie habt ihr euch vom Team aufgenommen gefühlt?
    • Zu den Teilnehmern, die den Platz nicht gewechselt haben
      • Wann habt ihr gemerkt, dass der neue Teilnehmer die Regeln am Tisch nicht kannte?
      • Wie habt ihr euch dabei gefühlt?
      • Was habt ihr getan? Warum?
      • Wie habt ihr den neuen Teilnehmer integriert? (oder Warum habt ihr sie nicht integriert?)
  • zu Runde 2 (die Personen am Tisch wussten jetzt, dass die neuen Teilnehmer mit anderen Regeln an den Tisch kommen)
    • Wer waren die Gewinner der zweiten Runde?
      • Ihr wusstet, dass am Tisch andere Spielregeln herrschen. Wie hat euch das beeinflusst? Wie habt ihr euch gefühlt? Wie habt ihr euch verhalten?
      • Wie habt ihr euch von dem Team aufgenommen gefühlt?
    • Wer waren die Gewinner aus der ersten Runde?
      • Ihr kanntet das Gefühl, als neuer Teilnehmer in ein bestehendes Team zu kommen. Wie habt ihr den neuen Teilnehmer willkommen geheißen?
    • Zu den Teilnehmern, die den Platz nicht gewechselt haben
      • Ihr wusstet, dass der neue Teilnehmer, die Regeln am Tisch nicht kennt. Wie habt ihr ihn integriert?
  • Warum war es wichtig, die Person zu integrieren?
  • Wer hat welche Regeln angenommen (der neue Spieler, die Regeln des Teams am Tisch, oder umgekehrt). Es kommt vor (wenn auch selten), dass in kleinen Teams der neue Spieler sehr dominant ist, und die ihm bekannten Regeln durchsetzen will – eine spannende Beobachtung.
  • Übertragung auf reale Situationen
    • Welche Kultur, Bräuche oder ungeschriebene Gesetze gibt es in eurem Umfeld?
    • Sind euch dieser Rituale immer bewusst? Warum (nicht)?
    • Welche ähnlichen Situationen kennt ihr aus dem privaten oder beruflichen Umfeld (jemand Neues kommt in euer Team)?
    • Wie geht ihr damit um? (Teamcharter, Patenschaften etc.)
    • Beispiele: Begrüssungen, Essen am Arbeitsplatz, Essen gehen, Essen holen, kulturelle oder religiöse Unterschiede, Umgangston, Lästern, Regen über andere, Kleidung, formale / informelle Ansprache, Umgangsweisen mit bestimmten Personen im Team …

Varianten

  • Es können sowohl Gewinner als auch Verlierer die Tische wechseln (z.B. der Gewinner geht einen Tisch weiter nach rechts, der Verlierer einen Tisch weiter nach links). Damit müsste ein Team zwei Mitglieder aus unterschiedlichen Kulturen integrieren.
  • Interessant wird es, wenn man einen Zeitdruck erzeugt – z.B. kann der Tisch als Gewinner gekürt werden, der die meisten Spiele absolviert (hier ggf. einen echten Preis auslosen). Unter diesem Druck müssen dann die neuen Spieler integriert werden.
  • Verwende unterschiedliche Spielkarten, bei denen die Bilder (leicht) anders sind ([amazon text=Skat Deutsches Bild Kornblume&asin=B000743D0S], [amazon text=Local-Heroes-Skatspiel&asin=3926055170], [amazon text=BVB 09 BVB-Skatspiel&asin=B00FEFF4AM] oder Ähnliches)
  • Es wechselt jeweils die Hälfte der Spieler eines Tisches zu einem neuen (gleichen) Tisch. In diesem Fall kommt mehr zur Geltung, wer die Regeln des jeweils anderen annimmt (neue Spieler folgen Regeln des Tisches oder Tisch folgt Regeln der neuen Spieler) oder ob das Spiel stagniert und sich die Spieler auf Regeln einigen.

Debriefing

  • Die Übung soll zeigen, wie schwierig sich eine Integration von neue Mitgliedern gestalten kann (nicht nur von zwei vollkommen unterschiedlichen Kulturkreisen, sondern auch Personen desselben Kulturkreises), sowohl für ein bestehendes Team als auch das neue Teammitglied.
  • Die Integration kann Zeit kosten und für beide Parteien unbequeme Situationen hervorrufen.
  • Sind sich beide Seiten bewusst, dass die Integration notwendig ist, so kann man gleich zu Beginn Abhilfe schaffen, z.B. über eine Teamcharter (so arbeiten wir hier), einen Paten oder ähnliches.
  • Gerade durch die Integration wird dem Team auch häufig erst bewusst, welche Rituale oder Bräuche sie unterbewusst ausüben.
  • Die Situation ist auch eine gute Möglichkeit für den Dialog und Austausch; beide Parteien können gut voneinander lernen; bestehende Verhaltensweisen können ebenfalls hinterfragt werden.

Anmerkungen

  • Spielt man das Spiel in einem Team, dass eine solche Integration in Zukunft durchlaufen wird, ist es sinnvoll ggf. eine Variante zu wählen, die der realen Situation am nächsten kommt.

Erfahrungen

  • Die Kunst besteht vor Spielbeginn nicht zu viel über das Spiel zu verraten
    • bei der Ankündigung (Pitch) der Übung in einem OpenSpace / Barcamp befindet man sich auf einem schmalen Grad: einerseits will man das Spiel derart ankündigen, genügend Teilnehmer zu gewinnen, andererseits aber möglichst wenig Hinweise auf Details zum Spiel zu geben. “Bei dieser Übung geht es darum den Einfluss von Teamkultur erlebbar zu machen, mehr kann ich nicht sagen, aber es ist super-spannend und interessant”
    • vor Spielbeginn sollte beim Austeilen der Blätter nicht auffallen, dass die Spielregeln pro Tisch unterschiedlich sind
    • Die Tische sollten weit auseinander gestellt werden, ggf. kann man mehrere Räume benutzen sowie Musik zur Ablenkung spielen. Damit weniger gesprochen wird, kann jedem Teilnehmer ein eigenes Blatt mit den Spielregeln ausgehändigt werden. Hier muss man jedoch aufpassen, dass das Austeilen natürlich erfolgt (“alle bekommen dieselben Spielregeln ausgehändigt”) und man sich nicht verzettelt.
    • Alternativ kann auch das Sprechen komplett unterbunden werden, d.h. auch in der Vorrunde.
    • Auch wenn der ein oder andere erahnt, dass die Tische andere Regeln haben und dies auch ggf. sagt, so kann das Spiel trotzdem noch ausgeführt werden.
  • Solltet sich in den Runden kein Gewinner herausstellen, dann wählt entweder der Moderator oder der Tisch einen Gewinner aus.
  • Sobald die Teilnehmer bemerkt haben, dass die Regeln pro Tisch anders sind und sich die Teilnehmer synchronisiert haben, kann die nachte Runde eingeleitet werden, ggf. geschieht dies schon früher als 10 Minuten.
  • Ich habe das Spiel auch schon mit zwei Teams à 3 Personen und einer Runde gespielt. Das ist nicht optimal, aber es ist durchaus ausreichend um Lerneffekte zu erzielen und eine Diskussion zu haben.
  • Nach der ersten Runde kann große Verwirrung in den Teams herrschen, auch Frustration und Redebedarf. Weißt die Teams auf die Regeln hin, nicht zu sprechen und bleibt ruhig.

Quelle

Chris

Chris

Agile Practitioner, Trainer, Coach at vividbreeze consulting
Since the late 1990s Chris has been working in different projects for major national and international corporations, small businesses and start-ups, advising companies in areas from software architecture to project management. Chris has been part, led or coached project teams of different sizes. His field of expertise encompasses agile project management, business and requirements analysis as well as technical analysis, design and implementation.
Chris

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